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Gut sehen auch bei Diabetes

Netzhaut-Schäden durch Diabetes lassen sich umso besser behandeln, je früher sie entdeckt werden. 9 Fragen und Antworten rund um die Augen-Gesundheit

Bei kaum einer Folgekrankheit des Diabetes ist Früherkennung so wichtig wie bei der Retinopathie. Denn sind erst einmal Sehstörungen aufgetreten, ist der Schaden an der Netzhaut (Retina) oft weit fortgeschritten – und kaum rückgängig zu machen.

Rechtzeitig erkannt, lässt sich der Schaden begrenzen und die Sehkraft meist erhalten. Die wichtigsten Fragen und Antworten klären darüber auf, wie eine Retinopathie entsteht, wie der Arzt sie diagnostiziert und welche Therapien es gibt.

1) Warum schädigen erhöhte Blutzuckerwerte die Netzhaut?

Hohe Zuckerwerte greifen die kleinen Blutgefäße der Netzhaut an. Die Folge sind Durchblutungsstörungen und eine Unterversorgung der Netzhaut mit Sauerstoff. Den Sauerstoffmangel versucht die Netzhaut zu überwinden, indem sie neue Äderchen aussprossen ("proliferieren") lässt, die allerdings schadhaft sind und  den Schaden noch verschlimmern (Experten sprechen beim Wachstum schadhafter neuer Äderchen von proliferativer Retinopathie – im Gegensatz zur nicht-proliferativen Retinopathie, bei der keine neuen Äderchen wachsen. Die nicht-proliferative kann in eine proliferative Retionpathie übergehen). Unbehandelt können diese Schäden bis zur Erblindung führen.

2) Bis zu 90 Prozent aller Diabetiker entwickeln eine Retinopathie. Warum ist sie so häufig?

Tatsächlich kann man bei den meisten Diabetes-Patienten im Laufe der Zeit Netzhautveränderungen feststellen. Dabei handelt es sich jedoch  oft nur um geringfügige Schäden, die auch bei Nicht-Diabetikern auftreten können und die die Sehkraft nicht unmittelbar gefährden. Dass Netzhautschäden so häufig festgestellt werden, hängt auch damit zusammen, dass sich die Gefäße im Auge besonders leicht untersuchen lassen.

3) Woran bemerke ich eine Retinopathie?

Eine Retinopathie bemerkt man meist lange Zeit überhaupt nicht. Erst wenn sich auf der Netzhaut Flüssigkeitsansammlungen (Ödeme) bilden oder die Schäden den Bereich der Netzhautmitte erreichen, in dem die meisten Sehzellen sind, kann es zu Sehstörungen wie verschwommenem oder unschaffem Sehen kommen. Blutungen in den Glaskörper kann man als dunkle Flecken oder Schleier wahrnehmen (diese Symptome können allerdings auch andere Ursachen haben und weisen nicht zwingend auf eine Retinopathie hin). Wenn Sehstörungen auftreten ist die Retinopathie meist schon weit fortgeschritten. Dazu sollte man es nicht kommen lassen, weil sich eingetretene Schäden in der Regel nicht zurückbilden können.

4) Wie erkennt der Augenarzt einen Netzhautschaden?

Mit einer Augenspiegelung. Dabei leuchtet er mit einer speziellen Lupe durch die Pupille in die Netzhaut. Die Pupille wird vorher eventuell weit getropft, um auch die äußeren Bereiche der Netzhaut gut erkennen zu können. Mit dieser Untersuchung, die nicht schmerzhaft ist, lässt sich eine Retinopathie auch im Frühstadium gut erkennen.
Wenn die Pupillen erweitert wurden, darf man nach der Untersuchung erst wieder ans Steuer, wenn die Wirkung der Augentropfen abgeklungen ist.

5) Lassen sich die Sehstörungen wieder bessern?

Die Therapie soll eine Verschlechterung verhindern. Sehschäden lassen sich meist nicht rückgängig machen. Grundpfeiler ist die Laserbehandlung. Sie wird vor allem eingesetzt, wenn es zur Aussprossung schadhafter Äderchen gekommen ist. Durch punktweises Veröden wird der Sauerstoffbedarf der Netzhaut und damit der Reiz für die Neubildung von Gefäßen verringert.
Beim "diabetischen Makulaödem", einer Schwellung des für das Sehen besonders wichtigen Bereichs in der Netzhaut, kann die Laser-Verödung den Austritt von Flüssigkeit verringern.
Seit Kurzem sind zur Behandlung des Makulaödems auch sogenannte VEGF-Hemmer zugelassen. Sie werden unter örtlicher Betäubung ins Auge gespritzt. Es gibt Hinweise, dass sie der Lasertherapie möglicherweise überlegen sind. Die Behandlung sollte stets ein Spezialist ausführen.

6) Gibt es andere Methoden, um die Retinopathie aufzuhalten?

Mit der Lasertherapie kann der Augenarzt das Fortschreiten einer Retinopathie stoppen, bevor es zu Sehstörungen kommt. Daneben sind vor allem die Diabetestherapie mit dem Ziel normnaher Zuckerspiegel und die Behandlung schlechter Blutfettwerte wichtig. Eine Studie mit Typ-2-Diabetikern hat kürzlich bestätigt, dass sich die Verschlechterung einer Retinopathie dadurch aufhalten lässt. Auch Bluthochdruck, an dem viele Diabetiker leiden, sollte möglichst gut behandelt werden – auch wenn der Effekt der blutdrucksenkenden Therapie auf die Retinopathie weniger gesichert ist.

7) Welche Rolle spielt die Ernährung?

Es gibt Hinweise, dass eine Ernährung mit viel Lutein (einer Unterform der Vitamin-A-Vorstufe Betacarotin) und Omega-3-Fettsäuren einen gewissen Schutz bietet. Lutein ist beispielsweise in grünen Blattgemüsen wie Brokkoli, Spinat oder Grünkohl enthalten. In einer 100-Gramm-Portion Grünkohl stecken etwa zehn Milligramm. Omega-3-Fettsäuren sind vor allem in fettem Seefisch wie Lachs oder Hering enthalten.

8) Wie oft sollen Diabetiker zum Augenarzt?

Typ 1: Einmal jährlich, bei Bedarf auch öfter. Die erste Untersuchung sollte spätestens fünf Jahre nach der Diagnose des Typ-1-Diabetes erfolgen, bei Kindern zu Beginn der Pubertät.
Typ 2: Sofort nach der Diagnose, dann einmal jährlich und bei Bedarf auch öfter.
Schwangere: Am besten vor einer (geplanten) Schwangerschaft oder gleich nach Feststellung der Schwangerschaft. Während der Schwangerschaft alle drei Monate. Besteht eine Retinopathie, sollten Schwangere monatlich oder öfter zum Augenarzt.

9) Warum sind regelmäßige Augenarzt-Kontrollen für schwangere Diabetikerinnen so wichtig?

Während der Schwangerschaft ist das Risiko besonders hoch, dass sich eine Retinopathie entwickelt oder verschlechtert. Als Ursache werden die Hormonumstellung sowie schwankende Blutzuckerwerte angenommen.



Diabetes Ratgeber; 20.12.2011, aktualisiert am 02.01.2012
Bildnachweis: Thinkstock/iStockphoto

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